Chlauseslä Unterägeri - Brauchtum im Ägerital

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Veröffentlichungen 2006

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Chlauseslä einst und jetzt


Das Chlauseslä hat eine lange Tradition im Ägerital. Der typische Chlaus- Brauch ist aber in seiner Entwicklung nicht einfach stehen geblieben. Vor allem das Chlauseslä an Abend hat in den letzten Jahrzehnten ein erfreuliches Wachstum in Unterägeri erlebt. Dies ist idealistisch gesinnten Förderern zu verdanken.

Wie alles anfing
Nachdem der Brauch in den dreissiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fast ausgestorben war, zeigten sich in den 50er Jahre die Strassen von Unterägeri abends, am Vortag vor St. Nikolaus, wieder belebter.

Fredi Bucher blieb derweil seinem abgestammten Metier treu und sammelte, unterstützt von seinen Mitstreitern, Jahr für Jahr als Samichlaus Geld für wohltätige Zwecke. Schlussendlich wurden daraus 22 Jahre unermüdlicher Einsatz an vorderster Front.

Fredi Bucher mit einer der ersten Iffälä von Otti Leutenegger
Alter Chlausesel aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts

Nach und nach wuchs die Schar der Chlausesler immer mehr. Durch engagierte Lehrer wurde der Brauch auch in der Schule in Unterägeri populär. Ein grosser Teil der inzwischen stolzen Zahl von 61 Iffälä sind in den 80er Jahren durch Schulklassen von Paul Portmann und Erwin Glanzmann beigesteuert worden. Ab 1986 übernahm dann Geni Häusler die Koordination für das Chlauseslä. Die Anzahl der Rottä hatte sich unterdessen auf fünf gesteigert. Während vier Rottä jeweils ab 5 Uhr abends die Quartiere von Unterägeri besuchen, geht eine fünfte, mit musikalischer Begleitung erweitert, in die Restaurants, den Annahof und das Altersheim Chlösterli.

Umfangreiche Aufgabe
Nach den vielen Jahren als Samichlaus übernahm Fredi Bucher die umfangreiche Aufgabe des Materialunterhalts. Neben den Iffälä haben sich in der Zwischenzeit eine grosse Anzahl von Triichlä, Chlausesel, Geislä, Hirthemden und Chlaus- Kostüme angesammelt. Immerhin müssen jährlich an die 100 Chlausesler ausgerüstet werden. Seine grosse Leidenschaft gilt vor allem den Triichlä. Sie zu Jochs zusammenzustellen, erfordert Geschick und auch etwas Glück bei der Suche, da nur Glocken mit gleichem Gewicht und Klang verwendet werden können. Hier investierte Fredi so machen Franken aus seinem eigenen Portemonnaie. Aber auch der Unterhalt der Iffälä bringt jedes Jahr viel Arbeit. Wenn zum Beispiel wie letztes Jahr, das Chlauseslä während einem Schneesturm stattfindet, werden die Iffälä arg in Mitleidenschaft gezogen. Ausbesserungsarbeiten sind da unerlässlich. In dem von der Gemeinde in der Aula unentgeltlich zu Verfügung gestellten Lagerraum, werden diese Arbeiten jeweils in zahlreichen Fronstunden erledigt.

Aussichten
Mittlerweile wird Fredi Bucher bei diesen Arbeiten im Materialunterhalt von weiteren Mitstreitern unterstützt. Immerhin ist Fredi schon seit neun Jahren AHV Bezüger und denkt auch langsam über die ‚Pensionierung' beim Chlauseslã nach. Mit seiner grossen Erfahrung wird er uns aber auch weithin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Die Ziele haben sich nämlich über all die Jahre nicht geändert. Vor allem der Gedanke des Schenkens, der uns an der Gestalt von Sankt Nikolaus so berührt, ist erhalten geblieben. Wie seiner Zeit initialisiert, geht das am Chlauseslä gesammelte Geld jeweils an karitative Zwecke im In- und Ausland.
Bezüglich des Spendenaufkommens haben sich aber die Zeiten eindeutig geändert. Inzwischen kommen Jahr für Jahr mehr als 8000 Franken zusammen. Dies ist nur durch die breite Unterstützung von Bevölkerung und Behörden sowie nicht zuletzt durch das Gewerbe möglich. Unsere grosse Sponsorenliste unter www.chlauseslae.ch ist Beleg für die breite Akzeptanz des Brauchs in Unterägeri. Bleibt zu hoffen, dass die Freude an diesem schönen Brauch nicht nachlässt, und es immer wieder Leute wie Fredi Bucher gibt, die diese Arbeit Jahr für Jahr leisten.




Rolf Iten, Ägeritaler IV / 2006

Uneigennützige Mitglieder der neu gegründeten Familienhilfe stellten eine Rottä zusammen und sammelten Geldgaben für wohltätige Zwecke. Anfang der 60er Jahre formierten Mitglieder des KAB (Katholischer Arbeiterbund) eine weitere Rottä. Diese hatte zum Ziel, Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt zu unterstützen. Man wollte die eingenommenen Gaben an das KAB-Projekt Brücke der Bruderhilfe und an einheimische Missionare, Schwestern und Entwicklungshelfer in den ärmsten Gebieten unserer Erde verteilen. Der damalige Präsident Adelbert Styger war die treibende Kraft hinter dem Projekt. Fredi Bucher war von der ersten Stunde als Samichlaus mit dabei. Flux wurde aus einem alten Messgewand von hilfreichen Ehefrauen das erste Chlaus- Kostüm zusammengenäht. Der Bischofsstab wurde aus Elektro-Isolationskabel geformt. Neben dem Chlausesel und Iffälä durfte auch Triichlä nicht fehlen. Auch ein Handorgelspieler war mit von der Partie. Als Eselersatz wurde ein Pony organisiert.
Gestartet wurde bei Dolfi Styger an der alten Landsstrasse. Über das Bödli ging es dann Richtung Waldheim und weiter im weiten Bogen rund um das Dorf über Schönwart, Florastrasse bis zum Moos. Dieser Gewaltmarsch dauerte viereinhalb Stunden und brachte stattliche 190 Franken als Spendenresultat zusammen. Ein Anfang war gemacht.


Auf dem Dorfplatz

Es geht voran
In der Folge wurde der Vortag vor St. Nicklaus zum festen Termin in der Agenda dieser kleinen Gruppe von Idealisten. Bald stiess Otti Leutenegger zu den Chlauseslern. Für einige Jahre führte er eine eigene Rottä durch Neuägeri, bevor er sich in das Iffälä Handwerk vertiefte. Darin entwickelte er im Laufe der Jahre eine wahre Meisterschaft. Seine Iffälä gehören bis heute zu den Prunkstücken, die man am jährlichen Umzug gegen 21.30 Uhr auf dem Dorfplatz bestaunen kann.



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