Veröffentlichungen 2020 - Chlauseslä Unterägeri - Brauchtum im Ägerital

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Veröffentlichungen Chlauseslä 2020

Folgende Veröffentlichungen sind hier zu finden:
(Zuger Zeitung 4. Dez. 2020)
Zeichen der Hoffnung setzten
(Ägeritaler, Nr. 5/2020)

Chlauseslä mit Schutzkonzept

Der vorweihnachtliche Brauch im Ägerital und in Walchwil - dort heisst er Chlausjagen - wird dieses Jahr in reduzierter Form stattfinden.
Für ihn und seine Mitstreiter des harten Kerns wäre eine Vorweihnachtszeit ohne das Chlauseslä undenkbar, gesteht Rolf Iten aus Unterägeri, der diesen Brauch seit 30 Jahren aktiv pflegt und schon als Kind teilnahm (siehe Kasten). «Wir haben bereits im September ein Schutzkonzept entworfen.»
Mit den Verschärfungen der Coronamassnahmen des Bundes habe man jedoch nochmals über die Bücher gehen müssen. «Wir dachten zuerst, nun wäre es vorbei.» Aber die Gemeinde Unterägeri habe die Organisatoren unterstützt und dazu ermutigt, das Schutzkonzept anzupassen und den Brauch in reduzierter Form stattfinden zu lassen. «Wir gehen ja grundsätzlich nicht in die Häuser hinein, wie das die Rotten in Oberägeri tun. So war schon mal eine wichtige Schutzvoraussetzung gegeben.» Ausserdem wurde der traditionelle Umzug durchs Dorf abgesagt.

Die Vorbereitungen liefen online
Das sei jedoch bei weitem nicht alles, berichtet der 55-jährige. Sämtliche Vorbereitungen hätten online stattgefunden. «Gewöhnlich bestehen unsere sieben Rotten aus je bis zu 30 Personen. Zwei Drittel davon sind Oberstufenschüler.» Da es sich bei den Chlauseslern nicht um einen Verein, sondern um eine lose organisierte Gruppe handelt, werden Schüler und Interessenten jedes Jahr von Iten und seinem Kernteam zur Teilnahme eingeladen. «Diesmal haben wir die Schulen gar nicht erst angeschrieben. Es sind nun etwa 60 Personen, die in fünf Rotten organisiert sind.» Natürlich könne man deshalb wohl dieses Jahr nicht alle Quartiere erreichen, bedauert Iten. «Aber wir werden unser Bestes geben.»
Das Schutzkonzept sieht ferner vor, dass sich die Gruppen zu keinem Zeitpunkt vermischen. «Jede versammelt sich separat, fasst nach einem fixen Zeitplan das Material und bleibt unter sich», betont Iten. Nüsse und Leckereien teile ausschliesslich der Schmutzli aus. «Er ist kerngesund und trägt Handschuhe.» Alle übrigen Teilnehmer der Rotten kommen nicht in Kontakt mit der Bevölkerung. «Die Spenden können uns die Leute wie gewohnt mitgeben», so Iten. Wer sich aber nicht nähern möchte, kann auf das Spendenkonto einzahlen, das auf der Website aufgeschaltet ist. «Auch in zahlreichen Schaufenstern von Geschäften in Unterägeri ist die Kontonummer neben den Yffelen zu lesen, die wir ihnen speziell dieses Jahr als Vorweihnachtsdekoration gebracht haben.

Oberägeri und Walchwil geben eine Empfehlung ab
Das gesammelte Geld - laut Rolf Iten meist über 10000 Franken - kommt zu einem Drittel ärmeren Familien im Ägerital zugute, der Rest geht an karitative Projekte in Indien und Afrika. Es seien immer Leute aus dem Ägerital mit der Betreuung der Projekte direkt betraut, sodass man genau wisse, wofür das Geld verwendet werde. «Wir sind sehr froh, dass wir das Chlauseslä trotz Corona stattfinden lassen können», bekräftigt Iten. «Es ist enorm wichtig für uns.»

«Wir haben uns schon früh mit den Mitgliedern der Chlausrotten zusammengesetzt und die Lage gemeinsam besprochen», erzählt Alexander Klauz, Gemeindeschreiber von Oberägeri. Dabei hätten die Gemeindevertreter gespürt, dass es den Rotten nicht ganz wohl bei der Sache gewesen sei und dass sie sich eine Entscheidung der Gemeinde gewünscht hätten. «Da wir nicht die Organisatoren sind, können wir den Anlass nicht verbieten, aber wir haben empfohlen, auf das Chlauseslä in diesem Jahr zu verzichten.»
Man sei ja dieser Tage dazu angehalten, soziale Kontakte möglichst zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. «Das tut uns natürlich selbst weh, und der Anlass wird uns allen fehlen», gesteht Klauz. «Aber im Moment ist es einfach nicht vernünftig. Es braucht Solidarität und Durchhaltewillen von allen, damit wir lieber früher als später wieder gemeinsam feiern und unser Brauchtum pflegen können.»

In Walchwil hat der Gemeinderat im Amtsblatt und in einem E-Mail an die lokalen Vereine die Empfehlung abgehen, das Chlausjagen dieses Jahr nicht abzuhalten oder sich an die gültigen Vorgaben sind Schutzmassnahmen des BAG zu halten. «Wir schauen der Sache aber positiv entgegen», stellt Gemeinderat Manuel Studer, Vorsteher Kultur und Bildung, fest. «Wir mahnen zur Vorsicht, aber es geht uns nicht darum, diese wertvolle Tradition zu verbieten.» Es sei der Gemeinde im Gegenteil besonders wichtig, dass diese Tradition fortbestehe. «Wir verlassen uns darauf, dass die Rotten vorsichtig sein werden.
Hinweis
Das Chlauseslä in Unterägeri findet am kommenden Samstag, 5. Dezember, statt. Weitere Informationen gibt es online unter www.chlauseslae.ch.


Das Brauchtum
Der Brauch sei seit dem 16. Jahrhundert im Ägerital belegt, weiss Rolf Iten, langjähriger Organisator des Chlauseslä in Unterägeri. «Arme Leute gingen am 5. Dezember mit selbst gebastelten Eselsköpfen an Stecken durch die Strassen und erhielten Nüsse, Früchte und Gebäck, sodass sie am Samichlaustag, dem 6. Dezember, sicher etwas Feines auf dem Tisch hatten.» Heute wird der Brauch in den Gemeinden Unterägeri, Oberägeri und Walchwil - wo er Chlausiagen genannt wird – gepflegt. Nachmittags, in Walchwil am frühen Abend, gehen die Kinder in sogenannten Rotten ebenfalls mit gebastelten Steckeneseln von Haus zu Haus, machen ordentlich Lärm und sammeln Leckereien ein, die ihnen die Leute aus den Häusern reichen. Abends sind dann die Erwachsenen-Rotten mit Samichlaus, Schmutzli, Trychlern und Yffelenträgern unterwegs. In Oberägeri und Walchwil kehren sie in den Häusern, Höfen und Wirtschaften ein. In Unterägeri streifen sie durch die Quartiere, teilen Nüsse und Süssigkeiten aus und sammeln Geld für karitative Zwecke. (cb)

Bericht: Cornelia Bisch, Zuger Zeitung , 4. Dez. 2020

Bild: Stefan Kaiser



Zeichen der Hoffnung setzten
Trotz der schwierigen Lage wollen wir von Chlauseslä Unterägeri mit dem Brauch ein Zeichen der Hoffnung setzten.
 
Strich durch die Rechnung
Wie bei allen Aktivitäten in diesem Jahr macht uns der Coronavirus auch beim Chlauseslä einen kräftigen Strich durch die Rechnung. Das fängt schon mit dem alljährlichen Training für das Geislächlepfä an. Das Training mussten wir auf Grund der verschärften Lage ersatzlos streichen. Auch das Schutzkonzept, das wir im September für das traditionelle Chlauseslä vom 5. Dezember erstellt hatten, war schnell überholt. Und trotzdem: Die Vorweihnachtszeit ohne den Brauch ist für uns Ägerer schlichtweg nicht vorstellbar. Daher wollen wir am Chlauseslä im reduzierten Rahmen und den Umständen entsprechend festhalten. Wie das genau aussehen wird, können wir im Moment nicht sagen. Die Lage ändert sich ja fast wöchentlich. Selbstverständlich werden wir die Schutzmassnahmen einhalten. Der Umzug auf dem Dorfplatz wird aber sicher nicht stattfinden.  

Gedanke des Schenkens
Gerade in dieser schwierigen Zeit ist es uns ein Anliegen, den Ursprung des Brauch wach zu halten. Der Gedanke des Schenkens, der uns an der Gestalt von Sankt Nikolaus so berührt, ist uns wichtig. Darum geht das von uns am Chlauseslä gesammelte Geld jeweils vollumfänglich an karitative Projekte im In- und Ausland. Für diese wohltätigen Projekte wird es in diesem Jahr besonderes eng. Ob und wie wir die Haushalte in Unterägeri erreichen können, ist in diesem speziellen Jahr nicht gesichert. Daher nehmen wir gerne auch Spenden mit dem Vermerk «Spende 2020» auf unser Konto CH71 0078 7007 7041 5301 0 der Zuger Kantonalbank entgegen.

Zeichen der Hoffnung
Mit der Vorführung der Tradition wollen wir im Ägerital ein Zeichen der Hoffnung setzen und gleichzeitig etwas gegen die Armut in der Welt tun. Wir danken allen Sponsoren und Spendern herzlich. Aktuelle Informationen zum Chlauseslä sind im Internet unter www.chlauseslae.ch zu finden.  
   
Rolf Iten,  Chlauseslä  Unterägeri

© 2003- by Chlauseslä Unterägeri
Alle Rechte Vorbehalten

© 2003- by Chlauseslä Unterägeri, Alle Rechte Vorbehalten

© 2003- by Chlauseslä Unterägeri

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